Alberto Contador entzürnt die Radsportfans

Alberto Contador entzürnt die Radsportfans

Wenn Alberto Contador die Tour de France 2010 als Sieger beendet, werden ihm nur wenige Radsportfans zujubeln. Sollte der Spanier in Paris tatsächlich ganz oben auf dem Podest stehen, bliebe ein bitterer Beigeschmack dieses Erfolges.

Auf der gestrigen Etappe zeigte sich der Tour-Favorit von seiner schlechtesten Seite. 20 Kilometer vor dem Ziel erklommen die Favoriten den Port de Bales. Der Gesamtführende Andy Schleck trat an, hatte aber Pech als seine Kette vom Rad sprang. In solchen Situationen besagt ein ungeschriebenes Gesetz in der Radsportszene, dass kein Konkurrent das Pech des Kontrahenten ausnutzt, um selber einen Vorteil für sich zu erzielen. Ganz anders Contador.

Der 28-jährige wartete nicht auf den Mann in Gelb, sondern trat direkt an. Als der Luxemburger Schleck sein Rad wieder fahrtüchtig gemacht hatte, war ihm der Spanier schon enteilt. Mit einem Vorsprung von 39 Sekunden fuhr Contador später über den Zielstrich und übernahm damit die Gesamtführung.

Acht Sekunden liegt er nun vor dem Unglücksraben. Keine Welt, wie Schleck selber feststellte. Aber die Art und Weise, wie sich Contador den Vorsprung heraus gefahren hatte, entspricht nicht der Fairness des Sports. Selbst, wenn der Spanier im Ziel beteuerte, dass er vom Defekt seines Kontrahenten nichts mitbekommen hatte. Später entschuldigte er sich auf YouTube trotzdem für seine Tat.

Eine ohnehin völlig unnötige Aktion Contadors. Im noch anstehenden Zeitfahren ist der Spanier wesentlich stärker anzusehen, als Schleck. Den dritten Toursieg seiner Karriere (nach 2007 und 2009) hätte er wahrscheinlich ohnehin noch eingefahren. Nur wäre er dann ein würdiger Sieger gewesen. Jetzt muss er mit mächtig Gegenwind rechnen. Im Fahrerfeld, aber auch bei den Zuschauern.

Die Aktion ließ dann auch den eigentlichen Sieger der 15. Etappe ein wenig in den Hintergrund treten. Der hieß Thomas Voeckler.

Quelle: Radsport News

von Andre Gierke