Brasiliens Hauptstadt Brasilia wird 50 Jahre alt

Brasiliens Hauptstadt Brasilia wird 50 Jahre alt

Als Retortenhauptstadt, Betonmonster, Architektrum im Wüstenstaub wird sie bezeichnet. An Negativumschreibungen seitens der internationalen Presse fehlt es der Hauptstadt Brasiliens Brasilia derzeit keineswegs, dabei hat die Stadt in den letzten Jahren einen echten Wandel durchgemacht. Aus der ehemaligen Korruptionshochburg ist ein ansehnliches Hauptstädchen mit mehr als 2.5 Millionen Einwohner geworden, das nicht nur architektonisch wohl dank der Handschrift des Stararchitekten Oscar Niemeyer weltweit seinesgleichen sucht. Der mittlerweile 103 Jahre alte Niemeyer hat Brasilia zusammmen mit dem Städteplaner Lucio Costa, der 1998 verstarb, in Rekordzeit vom Reiβbrett in die Savanne gestampft. 5 Jahre benötigten Heertruppen von Arbeitern, um die Betonmetropole aus einer der unfreundlichsten und unzugänglichsten Regionen Brasiliens aus dem Boden zu heben. Zu den nächsten gröβeren Metropolen sind es immerhin fast 1 000 km (São Paulo 872 km, Rio de Janeiro 930 km und Recife 1653 km).

Der Bau der Trabantenstadt ging auf den Plan des ehrgeizigen Präsidenten Juscelino Kubitschek (1902–1976) zurück, wobei die Idee eine neue Hauptstadt zu bauen jedoch wesentlich älter ist, und schon im Jahre 1891 in der Verfassung verankert wurde.

Was allerdings aus dieser Stadt entstand, die eigentlich eher als eine Art Bürokratenstadt erdacht war, die sich an den Wochenenden wieder leert, hätte sich zu diesem Zeitpunkt wohl niemand erträumen lassen. Die Stadt mit ihrer nahezu vollendeten  modernen Architektur, die ganz im Zeichen von Niemeyers auβerordentlichen Kreativität steht, zieht jeden Besucher automatisch in ihren Bann.“ Im Zentrum der Stadt wirken die Monumentalbauten des Architekten Oscar Niemeyer auch nach einem halben Jahrhundert entrückt, unwirklich und trotz ihrer Größe grazil”, so beschreibt es treffend die Frankfurter Rundschau.

Und selbst die jetzt richtig Einheimischen haben schon lange gemerkt in welcher Stadt sie nun ihre echte Heimat gefunden haben. An “Wochenende in anderen Städten verbringen” denken nur noch die wenigsten unter ihnen. Brasilia gilt überdies als sehr sauber, verfügt über die meisten Grünflächen (50 Millionen Quadratmeter) und von Gewalt spürt man nichts. Ihre Hauptstadt Vorgängerin Rio de Janeiro kann da in keinster Weise mithalten. Vornehmlich hat sich eine gutsituierte Mittel- und Oberschicht in Brasilia angesiedelt, die das Leben zu schätzen weiβ und stolz auf Brasilia ist.

Im Jahre 1987 kam Brasilia, als sie ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen wurde, eine weitere schnelle unverhoffte Ehrung zuteil.

von Martin Richard Schmitt