Das Internet wird zu einer politischen Waffe

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Das Internet ist sowohl für Politiker sowie Machthaber als auch für deren Gegner zu einer wichtigen Waffe geworden. Das gesamte Geschehen, egal ob es sich um den Kollaps einer Bank in Estland oder den chaotischen Zuständen in den Strassen von Teheran handelt, erscheint direkt im Internet. Egal wer den Berühmtheiten bei Twitter folgt oder sich die absurden Videos in Youtube anschaut, immer befindet man sich dabei inmitten einer Schlacht, sei es politisch, wirtschaftlich oder sozial. Das Netz ist zu einer Stimme des Volkes aber auch der herrschenden Klasse geworden. Freiheit gegen Kontrolle, das altbekannte Spiel wird nun virtuell ausgetragen. Politische Proteste trägt man nicht mehr nur in die Strassen, viel leichter lässt sich die Welt im Netz überzeugen. Kleine “Tweets” bewirken mehr als groβe Transparente. Und die regierenden Machthaber haben kaum ein Gegenmittel zur Hand.

Niemals hätten die Gründer von Twitter daran gedacht, dass dieses Webtool sich in ein politisches Instrument verwandeln könnte. Als damals die iranische Regierung die Verbindungen während der Unruhen 2009 blockieren wollte, schuffen die ein paar Jungs in San Francisco ein Webprogramm mit dem Namen Haystack, das es den Iranern ermöglichte anonym zu bloggen und die staatlichen Hürden zu umgehen. Aus einem kleinen Wohnzimmer heraus konnte so demonstriert werden, dass das Netz alle sozialen, kulturellen und nationalen Grenzen überwinden kann. Mit einem Computer im Haus lässt sich heutzutage Welt verändern.

Etwas Ähnliches geschah in Estland als ein junger Russe die estnische Staatsbank mit einem Cyberangriff lahmlegte. Hintergrund waren politische Geplänkel und Ressentiments um Russland, dass als Besatzungsmacht von den Esten angesehen wird. Nashi Goloskokov war gerade einmal 24 Jahre alt, und obwohl er behauptete allein für die Tat verantwortlich gewesen zu sein, nimmt man an, dass der Kremel dahinter steckt. Bereuen tat der junge Russe den Cyberangriff nie, für ihn waren die Geschehnisse um eine russische Bronzestatue, die von einheimischen Esten demontiert wurde, ein Ehrverletzung seines russischen Vaterlandes.

Doch können gröβere Schäden auch mit weniger komplexen Programmen ausgeführt werden. Sogenannte Botnets sind fähig immense Schäden unter den Nationen anrichten. Das Internet, das gerade seinen 20. Geburtstag feiert, wird immer mehr zu einer starken politischen Waffe.

Quelle: noticias.latam

von Martin Richard Schmitt