Die Pille wird 50 Jahre alt

Die Pille wird 50 Jahre alt

Für viele Frauen ein wahrer Segen, für andere, darunter die Katholische Kirche, ein echter Fluch. Bis heute  spaltet die Antibabypille die Gemüter der Gesellschaft.

Obwohl das erste Pillenpräparat erst im Mai 1960 in den USA zugelassen wurde, begannen die Forschungen nach einem oralen Verhütungsmittel schon im Jahr 1921 durch den Innsbrucker Physiologen Ludwig Haberlandt. Zu einem Durchbruch kam es jedoch erst im Jahre 1951, als sich der Chemiker Carl Djerassi zusammen mit seinen Kollegen Gregory Pincus und John Rock einen Abkömmling des weiblichen Geschlechtshormons Progesteron als Verhütungsmittel patentieren lieβen.

1960 wurde dann das erste Präparat unter dem Namen Enovid in den USA zugelassen. In Deutschland trat die Pille ein Jahr später unter dem Namen Anovlar (Schering AG) ihren Siegeszug an.

Weltweit so schätzt man, greifen knapp 9 % aller Frauen zwischen 15 und 49 Jahren auf diese Art von Verhütung zurück. Sie ist laut der UNO das zweithäufigst verwendete Verhütungsmittel in Nord- und Südamerika, Europa und der Karibik.

Wegen der hohen Kosten ist es jedoch einem Groβteil der Frauen, vor allem in der Dritten Welt, nicht möglich dieses Verhütungsmittel zu nutzen, auch wenn es ihnen ihre Religion, wie im Falle der Katholischen Kirche, nicht untersagen würde.

Etwa 215 Millionen Frauen haben laut “Women Deliver” in den vergangenen 50 Jahren die Pille als Antikonzeptiva gewählt, andere 200 Millionen haben jedoch keinen Zugang zu dieser Verhütungsmethode.
Die erste Pille war noch eine wahre Hormonbombe, die alsbald in den 80-er Jahren wegen ihrer Nebenwirkungen vom Markt genommen werden musste. Doch waren es weniger die gesundheitlichen Nebenwirkungen, sondern eher der moralisch-ethische Aspekt, der die unterschiedlich positionierten sozialen Gruppen in Kontroversen verwickelte.

Die freie Sexualität trat in Konfrontation zu den konservativen Glaubensgrundsätzen der alteingessesenen Institutionen. Ein völliges Umdenken war daher notwendig geworden. Mit der Erfindung der Pille kam zu einer wahren sexuellen Revolution, die eine ganze Generation geprägt hat.

Nicht zuletzt ebnete die Antibabypille der Frau den Weg zur Emanzipation. Das „Heimchen am Herd“ rückte zusehends aus den Köpfen der Gesellschaft.

Die Pille ist und bleibt ein Segen für die Frau. Woman Deliver geht davon aus, dass allein durch die Anwendung der Pille so etwa 50 Millionen unerwünschte Schwangerschaften mit ihren einhergehenden Problemen ausgeblieben sind.

von Martin Richard Schmitt