Die Todesstrafe verliert weltweit ihre Anhänger

Die Todesstrafe wird welt weit immer weniger angewandt, und das nicht nur aus den klassischen Gründen. Vielmehr stecken die erhöhten Kosten und das Problem der Justizirrtümer dahinter. Ein Todesurteil zu vollstrecken, das Jahre später durch eine ADN-Analyse wiederlegt werden kann birgt gewisse Risiken. In drei nordamerikanischen Staaten wurde sie kürzlich abgeschafft, weitere 10 debattieren darüber, und in 20 Ländern der Welt wurde sie in den vergangenen Jahren ebenfalls verbannt. Nach Berechnungen ist eine lebenslange Haftstrafe billiger für den Staat als die Unterbringung  in der “death row”. Eine ganze Industrie lebt von der Todesstrafe in den USA. Ein zum Tode verurteilter Gefangener hat das Recht bis zu neun Mal in Berufung zu gehen. Diese Berufungen kosten jedoch eine Unmenge an finanziellen Mitteln, die anderswo z. B. in der Prävention von Verbrechen besser investiert wären. Nicht selten stehen die Betroffenen und deren Angehörigen vor dem kompletten Ruin. Anwälte sind teurer als Wärter.
Hinzu kommt das unverantwortliche physiche und psyschiche Leiden, das bis zu 12 Jahren dauern kann bis das Urteil endgültig vollstreckt wird. 139 zum Tode Verurteilte konnten bisher auf Grund von ADN-Analysen ihre Unschuld beweisen. Errare humanum est.
In Bezug auf die Justizirrtümer hat sich herausgestellt, dass zumindest acht Verurteilte seit 1973 zu Unrecht starben. Im Übrigen steht der Beweis der Abschreckung von Verbrechen durch die Todesstrafe noch aus.
Weltweit folgen viele Länder dem Kurs. Spanien vollstreckte 1975 die letzte Todesstrafe, doch wurde sie dort erst 1995 endgültig abgschafft. Die letzten beiden Staaten, die ganz auf die Todesstrafe verzichten sind seit 2009 Burundi und Togo. In den letzten 10 Jahren haben sich 23 Nationen in den Club der 95 Länder gesellt, die die Todesstrafe komplett aboliert haben. Obwohl es noch ein weiter Schritt sein wird bis alle Länder auf die Todesstrafe verzichten, so werden es doch immer weniger. Leider sind einige Länder –  immerhin noch 58 – nicht bereit die Todesstrafe aufzugeben, darunter: China, Iran, Irak, Saudi Arabien, USA und Pakistan. Einige davon ohne jegliche Transparenz, niemand weiβ genau wie viele Verurteilte in China durch die Hand des Staates sterben. Nicht besser sieht es in Nordkorea, Vietnam, der Mongolei oder Weiβrussland aus.
Warum veröffentlichen die betroffenen Regierungen keine Zahlen, wenn sie die Todestrafe als legitimes Mittel ansehen?

Quelle: www.elpais.com

Photo: wikipedia

von Martin Richard Schmitt