EMI – der Fall ins Bodenlose

Das älteste multinationale Schallplattenlabel der Welt, EMI, befindet sich derzeit in der gröβten Krise seiner Unternehmensgeschichte. Die Aussichten auf eine Rettung scheinen hoffnungslos. Laut der englischen Sunday Times planen Warner Music und KKR das Traditionsunternehmen zu zerstückeln, wobei Warner mit der Musik und dem lukrativen Archiv bleiben will. Mit dem Schlucken von EMI könnte Warner zum gröβten Mediaunternehmen auf diesem Zweig, noch vor Universal und Sony, avancieren.
Wie schnell sich das Rad im Musik- und Entertainmentgeschäft drehen kann, zeigt die Tatsache, dass noch im Jahr 2005 EMI Gleiches mit Warner vorhatte. Die Zeiten sind vorbei, denn das Unternehmen kann nicht einmal mehr die Zinsen zur Schuldentilgung zahlen. EMI wurde im Jahr 2007 von Terra Firma Capital Partners übernommen und einem strickten Abspeckungsprogramm unterworfen. Ein Drittel der Angestellten verlor dabei ihren Job. Doch das alles nützte wenig, um die enormen Forderungen der Citigroub, die den Deal finanziell abgesichert hat, zu zahlen. In einer Flucht nach vorne hat Terra Firma dann die Citigroup verklagt. Doch schliesslich verblieb EMI zwangsläufig in den Händen von Terra Firma zu einem horrenten Preis von 3,6 Milliarden Euro. Geld, das bei der heutigen Marktsituation und der Internetpiraterie kaum noch reinzubringen ist.
Obwohl sich Terra Firma auf die Sanierung von Media- und Unterhaltungsketten spezialiesiert hat, lieg der Fall EMI anders. EMI hängt gröβtenteils von einigen reichen Unternehmern und Musikern ab, die schon jahrelang mit dem Konzern eng verbunden sind. Bei der Umstrukturierung mussten einige alteingesessene Köpfe das Parkett  räumen, und diese wurden durch Frischlinge ersetzt, die nicht aus der Musikbranche stammten. Arroganz und der Wechsel der Zugpferde Radiohead,  Rolling Stones und Paul McCartney tat das Übrige. Den letzten Tritt erhielt das Unternehmen in der Schlacht mit Pink Floyd.
Aus dem Management von Terra Firma ist derweil zu hören, dass die Citigroup eine Pressekampagne um einen möglichen Bankrott in Szene gesetzt hat.
Niemand allerdings dachte daran, dass eine Heuschrecke wie Terra Firme viel Wert auf den immensen Schatz von EMI legen würde und eher nur auf das Geld aus ist. Warum hat es nicht geklappt? 2009 erwirtschaftete EMI noch 330,5 Millionen Euro, trotzdem reichten solche Einnahmen nicht, um die Schulden zu zahlen. Ein weiteres Problem ist der Steuerflüchtling und Eigentümer von Terra Firma, Guy Hands, der jetzt für den anstehenden Prozess mit der Citigroup nach England zurückkehren muss.
Alles Punkte, die wenig Vertrauen zu einem Unternehmen aufbauen, das einst eng mit Partnerschaft und Kollegialität assoziert wurde.

Quelle: El Pais

von Martin Richard Schmitt