Erdbeben: Steigt die Häufigkeit der Naturkatastrophen an?

Es scheint so als würde nach den extremen Naturkatastrophen, die sich in den vergangenen Wochen in Chile und Haiti ereignet hatten, die Häufigkeit der Erdbeben zunehmen. Doch in Wahrheit sind diese Naturereignisse Teil einer konstanten Kette, die seit dem Jahr 1900 mit akuraten geologischen Aufzeichnungen beobachtet wurden. Laut dem US Geological Survey (USGS) gab es seit dem Jahr 1900 in jedem Jahr bis zu 18 schwerere Beben mit einer Stärke zwischen 7,0 und 7,9 auf der Welt. Und mindestens eins mit einer Stärke von 8,0 auf der Richterskala.

Laut den Forschern sind Erdbeben eher zufällig und von Zeit und Zone abhängig. Was sich allerdings herausgestellt hat ist, dass die Beben immer zerstörerischer werden. Das hat aber weniger mit den Beben an sich zu tun, sondern daran, dass immer mehr Menschen in den Risikozonen leben. In Wirklichkeit ereignen sich pro Jahr zwischen 12.000 und 14.000 Erdbeben (50 pro Tag) irgendwo auf der Erde und viele davon fallen in die stärkste Kategorie. Die Wahrnehmung der “wichtigsten” Beben steht in einem direkten Zusammenhang mit der Zerstörung der von Menschen errichteten Strukturen und dem immer dichter werdenden Informationsnetzwerk.

Noch vor einigen Jahrzehnten erfuhren die wenigsten Menschen direkt von den schweren Beben in China oder Indonensien. Die Nachrichten kamen erst Tage oder Wochen später an die Weltöffentlichkeit. Ein anderer Punkt warum es scheinbar mehr Beben gibt als früher, lässt sich darauf zurückführen, dass es jetzt weitaus mehr Messstationen gibt. Laut der USGS existierten im Jahr 1931 weltweit 350 seismologische Stationen rund über den Globus verteilt. Heute sind es mehr als 4000 Stationen, die via Satelitt alle Daten in sekundenschnelle in alle Winkel der Welt verteilen.
Die Statistiken erwähnen zwar die Regelmässigkeit der starken Beben, lassen jedoch nicht aus, dass es durchaus sein kann, dass sich fünf Jahre lang kein schweres Beben ereignet. Widerelegt wurde auch die allgemeine Annahme, dass wenn sich längere Zeit kein Erdbeben in einer risikobehafteten Zone ereignet hat, diese zwangsläufig in absehbarer Zeit an der Reihe sein müsste.Vielmehr kann es nach einem schweren Beben zu einem Spannungsausgleich kommen, der ein weiteres Beben für lange Zeit unmöglich werden lässt.

Quelle: www.bbc.co.uk

von Martin Richard Schmitt