Fussball-WM: Kein Glück am Kap der Guten Hoffnung…

Fussball-WM: Kein Glück am Kap der Guten Hoffnung…

SÜDAFRIKA – Der Kopf unten, der Körper durchgeschwitzt, die Haltung noch kämpferisch. Enttäuschung, Wut, dann Machtlosigkeit, ja vielleicht Selbstzweifel. Kaká verlässt den Platz von Port Elizabeth, einer von 23 Kanarienvögeln, die im Viertelfinale gegen die Niederlande entgegen dieser Bezeichnung weder schön noch elegant ihre letzte Darbietung in Südafrika abgeliefert haben, wie so oft bei diesem Turnier. Der Trainer der Selecao Carlos Dunga tritt nach diesem blamablen Ausscheiden zurück, die Kritik an der Spielweise seiner Mannschaft verstummte zu keiner Sekunde seiner Amtszeit, das Echo wird man wohl noch einige Monate später wahrnehmen können. Zu defensiv, zu systembegrenzt, zu abwartend, ja so untypisch für die lebensfrohen Sambakicker aus Brasilien. Auch Kaka, der seine glanzlose Saison bei Real Madrid mit seinen durchschnittlichen Auftritten bei dieser WM nur noch unterstrich, konnte sein Team nicht entscheidend ins Ziel lenken, der 60-Millionen-Mann wirkte unfit, abwesend, nervenschwach und kassierte unnötige Verwarnungen. Ein Sinnbild für die gesamte Mannschaft.

Früh aus dem rennen war auch die Équipe Tricolore. Hart, sogar sehr hart war die Landung für die Individualisten unter Trainer Domenech auf dem Boden der Tatsachen. Ständige Streitereien im Team, die Absetzung des Kapitäns, Kritik an der (fehlenden) Taktik führten letztendlich zu handfesten Rangeleien im Trainingsbetrieb, Frankreich eine Lachnummer in der Öffentlichkeit. Der letzte Platz in der Gruppe wunderte dann niemanden mehr, Ribéry und Co. Ließen ihren Ärger an dem längst zurückgetretenen und immens umstrittenen Raymond Domenech aus. Laurent Blanc tritt in die Fußstapfen seines erfolglosen Vorgängers.

Er sprang auf, lamentierte, gestikulierte, doch es half alles nichts. An Ende stand er nicht mehr auf, zu ernüchternd war der Auftritt seines Teams gegen den Erzrivalen Deutschland. Auch das Team konnte sich nicht mehr erheben, für England war im Achtelfinale Schluss. Fabio Capello durchlief mit den Three Lions ohne Probleme die Qualifikation, England wurde sogar zum Geheimfavoriten in Südafrika erklärt, trotz aller Gerüchte und privater Probleme der Stars, allen voran des Ex-Kapitäns John Terry. Man schaffte mit Dusel das Achtelfinale, doch dann stand eine gebrochene Elf von mutlosen Ersatzspielern James und Upson über kraftlose Leader Gerrard und Lampard zu einem unfiten und glücklosem Superstar Wayne Rooney auf dem Platz, die sich undankbar vom Kap verabschiedete.

Still und leise verließen die beiden letzen Weltfußballer Christiano Ronaldo und Lionel Messi das Geschehen rund um Johannesburg. Portugal mit Kapitän Ronaldo scheiterte an Spanien im Achtelfinale, Messi mit Argentinien eine Runde weiter an überragendem Deutschland. Ronaldo enttäuschte völlig, spielte zu sehr in eigener Sache und verlor am Ende nicht nur das Achtelfinale sondern auch die Kapitänsbinde. Messi dribbelte sich hingegen trotz Verletzungen und gesundheitlicher Rückschläge in gewohnter Manier in die Herzen der afrikanischen Fans, ein Torerfolg blieb ihm aber verwehrt. Kein Glück am Kap der Guten Hoffnung…

von Arthur Brühl