Fussball-WM: Uruguay – Der vergessene Weltmeister

Fussball-WM: Uruguay - Der vergessene Weltmeister

Ja, lang sind die erfolgreichen fußballerischen Zeiten her, als der heutige Weltranglisten-Sechzehnte einen Sieg nach dem anderen einfuhr und Gegner massenweise deklassierte. In den Jahren 1924 und 1928 gelangen dem kleinen Land sogar Olympiasiege, ganz von den insgesamt 14 Südamerika-Meisterschaften zu schweigen. Doch die ganz großen Erfolge hatte die ehemalige spanische Kolonie ebenfalls zu verzeichnen: 1930 und vor allem 1950, als Brasilien im eigenen Land im Finale bezwungen wurde, stiegen die Südamerikaner damals endgültig zur Weltspitze auf. Heute trifft Uruguay im WM-Halbfinale auf die favorisierten Holländer.

Die Urus sind überraschenderweise das letzte Team der CONMEBOL-Fraktion, das noch im Rennen um den Weltpokal ist, nachdem Brasilien, Argentinien und der Nachbar aus Paraguay bereits nach dem Viertelfinale die Heimreise antreten mussten. Rein namentlich verfügt Uruguay nicht über eine Spitzenmannschaft, dennoch sind sie mit ihrer Spielweise unglaublich erfolgreich. Die Urus stehen immer kompakt, versuchen den Gegner im Ballbesitz zu doppeln und immer unter Druck zu setzen, es wird außerdem mit elf Mann verteidigt. Uruguay ist eine rundum funktionierende Einheit, darauf achtet der Vater des Erfolges ganz besonders. Oscar Tabárez zeigt an der Außenlinie mindestens so viel Einsatz wie seine Spieler, er unterstützt, korrigiert und ermahnt seine Schützlinge, damit es bei seinem zweiten Anlauf als Nationaltrainer Uruguays vielleicht zu etwas ganz Großem reicht. Dabei hat er scheinbar keinen Grund sich derartig aufzuregen, denn Tabárez besitzt in seinem Kader zwei absolute Leitwölfe in Kapitän und Abwehrchef Diego Lugano von Fenerbahçe Istanbul und Topstürmer Diego Forlán von Atlético Madrid, die auf und neben dem Platz mittlerweile nicht zu ersetzen sind.

Das Halbfinale gegen die Niederlande wird auf alle Fälle eine immens anspruchsvollere Angelegenheit für die Südamerikaner als der Viertelfinal-Sieg gegen Ghana, fehlen doch der erwähnte Lugano (verletzt), Linksverteidiger Fucile und Goalgetter Suarez (beide gesperrt). Oscar Tabárez wird dennoch eine schlagkräftige Truppe auf den Rasen des WM-Stadions von Green Point zu schicken wissen.

von Arthur Brühl