Gehirndoping – Ritalin & Co?

Ritalin & Co? Man hört in letzter Zeit immer wieder von Studenten und Schülern, die leistungssteigernde Medikamente (Gehirndoping), sogenannte Cognitive Enhancer, zu sich nehmen, um dem Leistungsdruck gerecht zu werden und möglicherweise bessere Ergebnisse bei Prüfungen zu erzielen.

In den USA soll dieser Trend schon soweit gehen, dass angeblich jeder vierte Student von Gehirndoping nicht die Finger lassen kann. Und die Medien machen die Sache nicht besser als die Werbung der Hersteller solcher Medikamente. Die einen versprechen Wunder, die anderen unheilbare Krankheiten.

Bei den Recherchen für meine Hausarbeit zu diesem Thema bin ich auf so einiges gestoßen, vor allem der Umgang mit Forschungsergebnissen, ihre Deutung also, hat mich vom Hocker gehauen, ein Beispiel: Gerry Lynchs durchgeführte Studie hat gezeigt, dass seine Ampakine keinerlei Nebenwirkungen haben, gleichzeitig sollen sie die geistigen Fähigkeiten um ein Vielfaches steigern (vgl. USA 2007: Next World. Future Superhuman, in: Discovery Channel). Da gib’s nur ein Problem: Lynch zog diese Schlüsse, obwohl seine Studie nur ein Dutzend Teilnehmer hatte.

Man bedenke, dass normalerweise pharmazeutische Studien um die tausend Teilnehmer haben, bei nur zwölf ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Ergebnisse nur Zufall waren. Damit scheidet Ampakin als Wunderdroge für mich schonmal aus. Da wäre noch Ritalin: Ursprunglich bei ADHS-kranken Kindern eingesetzt, soll es jetzt zur IQ-Pille werden. Doch auch hier gibt es einen Hacken: Laut einer Untersuchung des Siegmund-Freud-Instituts verändert Ritalin nachhaltig den Hirnstoffwechsel und kann daher schädlich auf das Gehirn wirken (www.welt.de, [Stand: 22.05.09]).

Und außerdem konnten beim Ritalin, wie übrigens bei bisher jedem getesteten Cognitive Enhancer, keine deutlichen „Enhancement-Effekte“ nachgewiesen werden. Dies ist wohl das wichtigste Argument gegen die Einnahme solcher Drogen, denn warum sollte man etwas zu sich nehmen, wovon man nicht weiß, ob es überhaupt funktioniert und dabei noch Nebenwirkungen hat?

Dies alles schreibe ich nicht, weil ich unnatürliche, medikamentöse Steigerungen der menschlichen Fähigkeiten fundamentalistisch kritisiere. Ganz im Gegenteil, ich bin überzeugt, dass schon sehr bald durchaus wirkungsvolle Mittel auf dem Markt sein werden. Das große Problem heutzutage ist bloß, dass keinerlei Langzeitstudien zu den Cognitive Enhancern existieren. Es gibt zwar einige Tierversuche, doch diese Ergebnisse lassen sich nicht auf den Menschen beziehen. Außerdem werden viele Studien von Pharmaunternehmen finanziert und daher werden oft Ergebnisse verzerrt oder nur ausgewählt dargestellt.

Gehirndoping: Ritalin schädigt das menschliche Gehirn USA 2007: Next World. Future Superhuman, in: Discovery Channel

(Mark)