Hungersnot: Vier mutierte Pilze bedrohen weltweit die Weizenproduktion

Wheat Plants in a Field

Laut einer Studie, die jetzt im Vorfeld der 8. Internationalen Weizenkonferenz im russischen St. Petersburg  veröffentlicht wurde, sind die Mutationen des Pilzes Ug99 (Schwarzrost) weltweit auf dem Vormarsch. Ausgearbeitet wurde die Studie durch die Universität Free State in Südafrika. Die Borlaug Global Rust Initiative (BGRI), eine Vereinigung, die gegen Weizenbefall ankämpft, signalisiert ferner, dass die Weizenernten von Jahr zu Jahr aufgrund des Vordringens des Schwarzrost immer mehr gefährdet sind.

Die Mutationen stellen besonders für die ärmeren, dichtbesiedelten Ländern in Südostasien derzeit ein Problem. Langfristig gesehen, rechnen die Spezialisten der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) jedoch mit einem Vordringen des Pilzes bis nach Kanada und die USA, was verheerende Folgen für die Weizenproduktion mit sich bringen könnte.

Der Pilz UG99 wurde demnach im Jahr 1999 in Uganda entdeckt und verbreitet sich seither mit rasender Geschwindigkeit über den Erdball. Vom Jemen aus, wo er vier Jahre später in Erscheinung trat, breitete sich der Pilz über den Sudan und den Nordiran aus, wo mit er jetzt fast in Reichweite des Weizengürtels von Russland und Indien angelangt ist.

Forscher warnen, dass UG99 vier Fünftel der weltweiten Weizenernte vernichten könnte.
Verantwortlich für die schnelle Verbreitung des Pilzes ist die Geschwindigkeit mit der sich die Pilzsporen fortbewegen. So haben laut Untersuchungen die Pilzsporen die Fähigkeit pro Tag eine Distanz von 160 Kilometern zu überbrücken. In Ländern wie Kenia fallen so in manchen Jahren bis zu 80 % der Weizenernten dem Schwarzrost zum Opfer. Doch sind es nicht nur die Winde, die die Sporen in alle Himmelsrichtungen verteilen, nicht auszuschlieβen ist überdies, dass die Pilzsporen auch etwa per Schiff, durch Flugzeuge oder in Reisekoffern verbreitet werden.

Das Problem des UG99 schien aufgrund der Züchtung von Schwarzrost-resistenten Pflanzen eigentlich schon gelöst, doch hatten die Forscher nicht mit den Mutationen gerechnet. Da die Forschungsbudgets im Kampf gegen die Pilze aufgrund der damaligen Erfolge drastisch zurückgefahren wurden, hat man es verpasst die Entwicklung des Pilzes weiter intensiv zu verfolgen und das rächt sich jetzt.

Mit einem immensen Aufwand wird derweil wieder versucht Anschluss an die Entwicklung zu bekommen. So wurden Tausende von Weizenarten auf ihre Resistenz gegenüber dem Erreger getestet. Wurden die Forscher fündig, so wurden die neu entdeckten Gene in die gängigen Weizensorten eingezüchtet. Ob das jedoch ausreicht bleibt fraglich.

von Martin Richard Schmitt