Joachim Löw: Disziplinfanatiker und Glücksgriff

July 02, 2010 - Kapstadt, South Africa - epa02233202 German headcoach Joachim Loew during a press conference of the German team at the Green Point Stadium in Cape Town, South Africa 02 July 2010.

Joachim Löw klatscht mit seinen Spielern ab, er strahlt an diesem späten Samstagnachmittag pure Freunde und Genugtuung aus. Freunde, weil es ein hartes Stück Arbeit war, diese quirligen und technisch fast perfekten Argentinier um Trainer Diego Maradona den kürzeren ziehen zu lassen, obwohl das Endresultat 4:0 eine andere Sprache spricht. Genugtuung, weil der zielstrebige Schwabe etwas zu beweisen hatte, besonders den oft unfairen Kritikern gegenüber, die seine Arbeit schon einige Male höchst kritisch in Frage gestellt hatten. Noch vor seinem Amtsantritt hatte er einen schweren Stand in der Öffentlichkeit, wurde rigoros als Klinsmann-Assi, als Notnagel und Übergangslösung abgestempelt.

Doch Löw ließ sich nicht irritieren, auch in schwierigsten Phasen, wie die äußerst glanzlosen Leistungen in Testspielen gegen die Elfenbeinküste und Norwegen, bewies er Charakter und bleib stur bei seiner Methoden und seiner Marschroute. Dieses Vorgehen fruchtete recht bald mit dem überraschenden Finaleinzug der deutschen Elf bei der WM 2008 in Österreich, wo seine Mannen knapp, aber letztendlich verdient ihren Meister im Favoriten Spanien um Fernando Torres und David Villa fanden. Aus dieser, wohl bis dahin, seiner größten Niederlage zog er seine Schlüsse, arbeitete mit seinem Trainerteam vertieft an Taktik, Spielerwahl und Training. Der im Schwarzwald geborene Disziplinfanatiker ist ein überzeugter Teamspieler. An Löws Seite sieht man immer seinen Co-Trainer, Hansi Flick, seine stets beratende und korrigierende rechte Hand.

Außerdem lässt Löw seinen Torwart-Trainer Andreas Köpke seine Eindrücke schildern, medizinische Tipps erhält der Coach vom wohl besten europäischen Fußball-Doktor, Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth. Der Teammanager Oliver Bierhoff kümmert sich um Planung und Organisation, nimmt Löw eine bedeutende Aufgaben-Last ab.

Löws Nationaltrainerzeit wird stets durch Konflikte und Diskussionen begleitet, was im modernen Fußball an der Tagesordnung ist. Unzufriedene Spieler wie Torsten Frings und Kevin Kuranyi sorgten mit ihren Äußerungen für öffentlichen Eklat, Kapitän Ballack kritisierte Löw sogar persönlich. Doch, wo sind all die Kritiker jetzt? Die einen Verstummten, Kuranyi und Frings mussten zuhause bleiben, der am Knöchel verletzte Ballack büßte viel Respekt ein. Löw hingegen führte sein Team ins Halbfinale der WM 2010 in Südafrika, wo man in wenigen Minuten auf Argentinien trifft. Eiserne Konzentration und höchste Disziplin zahlen sich eben aus.

von Arthur Brühl