Kein Videobeweis: Ist die FIFA korrupt?

Kein Videobeweis: Ist die FIFA korrupt?

Trotz der beiden krassen Fehlentscheidungen durch die Schiedsrichter in den beiden Achtelfinal-Partien Deutschland gegen England und Argentinien gegen Mexiko, die glücklicherweise nicht unbedingt spielentscheidend waren, jedoch hätten sein können, weigert sich die FIFA weiterhin strikt trotz aller Vorteile den Videobeweis einzuführen.

Eine Frage, wie: „Was the ball behind the line?„, die der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst im WM-Finale 1966 dem russischen Linienrichter Tofik Bachramow stellte, wäre mit der Einführung dieser Technik sicherlich hinfällig. Klare Fehlentscheidungen der “Unparteiischen” könnten so binnen von Sekunden revidiert und korrigiert werden. Was in anderen Sportarten längst gang und gäbe ist, lässt die allmächtige FIFA, die ansonsten jeden modernsten Marketing-Trick ausnützt, um ihren Reichtum zu mehren, nicht zu.

Man stelle sich vor, das menschliche Auge sollte die manchmal nur sekundenbruchteilhaften Entscheidungen im Schwimmsport oder in der Leichtathletik mit dem bloβen Auge wahrnehmen. Ein Unterfangen, das die Grenzen der menschlichen Möglichkeiten nur all zu deutlich aufzeigt. Im amerikanischen Football ist man da schon um Jahre voraus. Dort greift man auf viele Techniken zurück, die das fehlbare menschliche Auge ersetzten.

Nicht nur die sich benachteiligt fühlenden Engländer, sondern auch der ansonsten eher konservative Franz Beckenbauer fordern jetzt die Einführung des Videobeweises. Auch die Fans in den sozialen Netzwerken lassen ihrem Unmut über den Anachronismus und Antagonismus in der FIFA freien Lauf. Michel Platini, der noch vor einem Jahr die Einführung des Videobeweises als “Tod des Fussballs bezeichnete”, hat sich bisher noch nicht geäuβert, mit Sicherheit aber werden ihn die kürzlichen Ereignisse nicht unberührt lassen. Zu offensichtlich waren die Fehlentscheidungen, das kann auch ihm nicht entgangen sein, zumal die Oberen der Schiedsrichtergilde schon Fehler in ihrer Zunft bei der WM in Südafrika eingestanden haben.

Ist die FIFA korrupt?
In anderen Ländern hingegen hegt man schon viel länger einen Korruptions- und Manipulationsverdacht gegen die FIFA. In Südamerika meint man zu wissen, dass mit der Einführung eines Videobeweises die FIFA einen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang der Spiele verlieren würde. Unwiderrufbare Tatsachenentscheidungen bei falsch gegebenen Elfmetern, Fouls oder Toren zum Beispiel würden teilweise oder fast ganz ausgeräumt und könnten so nicht mehr manipuliert werden.

Denn wenn es um Schiedsrichterentscheidungen zu Gunsten von namhaften Mannschaften geht, dann werden diese zum gröβten Teil den werbeträchtigen Teams aus Brasilien und Argentinien zugesprochen. Kommt es dann zu internationalen Begegnungen, dann sind es, mit Ausnahme der Brasilianer, immer die europäischen Teams, die bevorteilt werden. Das Gedankenspiel lässt sich leicht auch auf Europa umlegen, man denke nur an das WM-Qualifikationsspiel Irland gegen Frankreich, das die werbeträchtigen Franzosen durch eine eindeutige Fehlentscheidung nach Südafrika brachte. Warum also nicht all diesen Spekulationen ein Ende setzen und den Videobeweis einführen?

von Martin Richard Schmitt