Kritik an der Entwicklungshilfe

In den letzten 50 Jahren hat sich die Situation in Afrika immer weiter verschlimmert, trotz den zwei Billionen Dollar Entwicklungshilfe. Korruption, Armut und Krankheit prägen das Bild. Nach Peter Bauer, William Easterley und Paul Collier sowie James Shikwati spricht sich jetzt Dambisa Moyo öffentlich für einen Rückgang der afrikanischen Entwicklungshilfe aus.

Die 40-jährige Afrikanerin hat eine Karriere als Bankerin hinter sich, jetzt sucht sie in ihrem Buch Dead Aid nach alternativen Wegen, um Afrika den Wohlstand zu bringen. Grundlegend unterscheidet Moyo drei Arten von Hilfe. Die humanitäre Hilfe, zum Beispiel bei Naturkatastrophen, die karitative Hilfe, die von Institutionen und Organisationen ausgeht (Kirche etc.) und die systematische Hilfe, bestehend aus direkten Zahlungen, beispielsweise von Regierung zu Regierung.

Im Grunde erkennt Moyo den Verdienst der humanitären und die karitativen Hilfe an, doch sei diese oft schlecht gemanagt und habe hohe Verwaltungskosten. Die Gründe hierfür seien „Bürokratie, institutionelle Ineffizient oder das Fehlen passender Partnerorganisationen am Ort“.

Nichtsdestotrotz seien humanitäre und karitative Hilfe „kleine Fische“ im Vergleich zu den systematisch jährlich transferierenden Milliarden an Regierungen armer Länder. Moyo behauptet, durch Entwicklungshilfe entstehe Korruption und außerdem würde dadurch die Eigenintiative verhindert. Im Grunde ist es ganz einfach, warum sollte jemand hart arbeiten, wenn er auch davon leben kann, was er umsonst bekommt? Und wenn ich doch etwas tue, trage ich dann Verantwortung? – Nein, es ist zu leichtes Geld. So geht es auch den Regierungen: Würden sie Schulden auf dem internationalen Markt nehmen, müssten sie die Steuern im eigenen Land erhöhen und wären schließlich gezwungen Rechenschaft vor ihren Bürgern abzulegen – über das was sie tun oder auch nicht tun.

„Hilfe ist wie Öl“, so Moyos Lehrer Paul Collier, „sie erlaubt mächtigen Eliten, öffentliche Einnahmen zu veruntreuen.“ Es gäbe vier Alternativen. Die afrikanischen Regierungen müssten sich den internationalen Markt für Anleihen erschließen, wie es zum Beispiel China am Anfang des 19. Jahrhunderts tat. Ferner müssten sie in die Infrastruktur invistieren, also ganz nach Keynes – das sogenannte deficit spending. Weiterhin sollten die afrikanischen Länder für eine Aufhebung der europäischen Subventionen kämpfen, denn diese erschweren ihnen die Konkurrenzfähigkeit am internationalen Markt. Zuletzt sollten die Regierungen den Emigranten Geldsendungen in die Heimat erleichtern. Da die Stärkung der Wirtschaft nicht von heute auf morgen funktioniert, sollte die Entwicklungshilfe nach Moyo noch zehn Jahre andauern.

Meiner Meinung nach sieht Moyo das Problem zu optimistisch. Ich bin zwar kein Bankier und daher ist das, was ich hier schreibe allein schon wegen ungenügender Autorität fraglich. Dennoch: Moyo schlägt also den vollen Einstieg Afrikas in den internationalen Markt vor, als Vorbild soll hier China dienen. Betrachtet man aber die Geschichte der Chinesen, so sieht man, dass ihr erster Einstieg in den internationalen Markt erstens nicht freiwillig und zweitens sehr unrentabel war. Dies geschah während der Imperialherrschaft der westlichen Mächte und damals wurde der chinesische Markt mit europäischen Billigwaren überschwemmt.

Dies schwächte die chinesische Wirtschaft sehr stark, erst durch die Politik Deng Xiaopings ab 1980 konnte China zur wirtschaftlichen Weltmacht werden – yì guó liǎng zhì, Ein Land, zwei Systeme. Heißt: man bringt freien Markt in ein kommunistisches Land aber nur an der Küste (als Beispiel). Dort herrscht dann aber größerer Kapitalismus als in den USA, ohne Steuern usw.. Afrika könnte diesem Beispiel garnicht folgen, sie haben nicht die nötigen Technologien um so billig zu produzieren und wenn sie beispielsweise im Agrarsektor einsteigen wollen würden, dann müssten sie – wie auch Moyo schon sagte – Abschaffung der europäischen Subventionen fordern.

Aber warum subventionieren die Europäer ihre Bauern eigentlich? – Gerade damit diese mit den „Niedriglohnländern“ konkurrieren können. Warum sollte Europa oder der Rest der Welt auf eigenen wirtschaftlichen Erfolg verzichten? Nur für die Afrikaner? Ich sehe diesen Punkt sehr pessimistisch aber meiner Meinung nach realistisch. Und würden Geldsendungen der Emigranten in die Heimatländer nicht schließlich auch das Bruttonationaleinkommen der westlichen Länder verringern, in denen sich die Emigranten befinden? Ich glaube an einen anderen Weg aus Afrikas Krise. In einem Punkt stimme ich Moyo zu, der freie Markt muss gefördert werden, doch nicht auf diese Weise. Afrika sollte sich von dem internationalen Markt abschotten und einen eigenen Markt innerhalb Afrikas aufbauen.

Nur so kann die Konkurrenzfähigkeit erhalten bleiben. Erst wenn die Wirtschaftsleistung sich gesteigert hat und die Afrikaner den westlichen Technologiefortschritt eingeholt haben (oder bis sie genauso billig produzieren können), sollte dieser „Afrikanische Merkantelismus“ aufgelöst werden. Erst dann darf Afrika auf den internationalen Markt gehen. Wie ist eure Meinung zu dieser Problematik?

(Mark)

Quelle: Kritik an der Entwicklungshilfe