Michel Onfray stellt Sigmund Freud als Lügner und Scharlatan dar

Sigmund Freud

Der französische Philosoph Michel Onfray fällt in seinem neusten Werk über den österreichischen Psychoanalytiker Sigmund Freud her. Als Lügner, Versager und unfähig stellt er den Übervater der Psychoanalyse dar. Laut Onfray, dem Autor von “Die reine Freude am Sein. Wie man ohne Gott glücklich wird“ ist die Psychoanalyse mit einer Religion zu vergleichen und die Erfolge in der Heilung ähneln denen in der Homöopathie.

Kurz nach der Veröffentlichung seines neusten Werkes in dieser Woche in Frankreich mit dem Titel “Le crépuscule d’une idole : L’affabulation freudienne”, begann eine heftige Kontroverse um Onfray. Vertreter der Psychoanalyse bezichtigen Onfray der Irrtümer und Fehler in dem Buch. Onfray stellt in seinem Werk die These auf, dass der Österreicher sich an seinen eigenen physischen Instinkten und Notwendigkeiten orientiert hat, diese dann verallgemeinert hat und zu einer universellen Doktrin entwickelte.

Beweise für endgültige Heilungen seiner psychisch kranken Patienten durch Freud selbst gebe es wenig. In Wahrheit, so ein Artikel im Nachrichtenmagazin Der Spiegel, ist Freud für die Psychologie der Gegenwart irrelevant. Dennoch ist das Couch-Klischee aus den Köpfen der Menschen nicht wegzukriegen. Der Philosoph geht in seinem Buch auf die in der Psychanalyse bekannten Patienten wie den Fall “Anna O.“ (Bertha Pappenheim) oder Sergei Konstantinovitch (Wolfsmensch) ein, die von Freud von ihren Psychosen und Krankheiten in der Öffentlichkeit als geheilt präsentiert wurden, jedoch in Wahrheit immer wieder schwere Rückfälle erlitten.

Die Psychoanalyse taugt in Wahrheit nicht mehr als der Exozismus eines Priesters, die Homöopathie, das Gebet in der Grotte von Lourdes  und viele andere ähnliche Methoden, so Onfray in einer Debatte mit einer bekannten französischen Psychoanalytikerin. Man kenne den Wert des Placeboeffektes bei Artzneimitteln, der bei 30 % liegen kann, warum soll das gleiche nicht für die Psychoanalyse gelten.

Onfrey geht aber noch weiter in seiner Anklage, indem er Freud als geldgierig und sexbessen hinstellt. Trotz aller seiner Schriften über den Ödipuskomplex u. a. sexrelevanten Themen, hat er sich mit seiner Schwägerin ins Bett gelegt. Dem Nationalsozialismus und Faschismus sei er überdies auch nicht abgeneigt gewesen. Jetzt sieht sich Onfray den Anklagen bekannter Vetreter der Zunft ausgesetzt, die in der Tageszeitung Le Nouvel Observateur erschienen sind.

von Martin Richard Schmitt