Michelangelo-Code in der Sixtinischen Kapelle entschlüsselt

Pope Benedict XVI meets artists in the Sistine Chapel - Vatican
Das Ganze scheint sagenhaft, doch die beiden Wissenschaftler Ian Suk und Rafel Tamargo von der medizinischen Fakultät der John Hopkins Universität in Baltimore, USA, sind sich sicher: In einer Figur, die Gott repräsentiert, ist ein Gehirn zu erkennen. Jahrelang haben sich die Wissenschaftler gefragt, warum der Hals von einem der abgebildeten Figuren so deformiert sei. Jetzt haben sie durch Vergleiche herausgefunden, dass es ein Gehirn sein muss, das auch klar bei genauerem Hinsehen zu erkennen ist.

Die beiden Wissenschaftler, die ihre Ergebnisse in dem amerikanischen Wissenschaftsmagazin Neurosurgery veröffentlicht haben, weisen darauf hin, dass Michelangelo Buonarroti (1475-1564),  nicht nur einer der gröβten Künstler war, den die Welt je gesehen hat, sondern, dass er überdies über sehr genaue Kenntnisse in der Anatomie des Menschen verfügte. Diese hatte er sich durch jahrelange Studien an Leichen angeeignet.

Zwei Gehirne
Zwischen den Jahren 1508 und 1512 hat der Künstler neun Fresken an das Gewölbe der Sixtinischen Kapelle gemalt, die auf das Buch der Genesis zurückgehen. Eine dieser Fresken, die wohl bekannteste, ist die „Die Erschaffung Adams“, die um das Jahr 1511 entstanden sein muss. In diesem Deckengemälde wird vermittelt, wie Gott mit ausgestrecktem Zeigefinger seine Schöpfung Adam zum Leben erweckt. Gleichfalls erkannten Wissenschaftler im Hintergrund des Gemäldes durch das Zusammenspiel von Licht und Schatten schon immer ein Gehirn.
Die Erkenntnis, dass genau unter dem Kinn an einer Figur einer weniger bekannten Freske von Michelangelo, die auf die Trennung von Nacht und Tag durch Gott hinweist, (Die Scheidung von Licht und Finsternis: „Und Gott sprach, es werde Licht, Genesis 1, 3-5!) ein weiteres Gehirn entdeckt wurde, gleicht einer Sensation.

Restauration der Fresken von Michelangelo
Die neun Fresken malte Michelangelo Buonarroti in den Jahren zwischen 1508 und 1512 im Auftrag von Papst Julius II. Die Deckengemälde wurden am 1. November 1512 zum ersten Mal enthüllt. Auf einer Fläche von 520 m2 sind 115 überlebensgroβe Charaktere zu erkennen.
Von 1980 bis 1984 wurden die Fresken einem breitangelegten Restaurationsprogramm unterzogen. Erst mit neueren technischen und chemischen Mitteln war es möglich den alten Glanz der Deckengemälde wieder zum Vorschein zu bringen, möglicherweise war das ein Grund warum erst jetzt das zweite Gehirn entdeckt wurde.

Die Fotos sind zu sehen bei: scientificamerican.com

von Martin Richard Schmitt