Überraschende Aussagen im Fall Münchner S-Bahn-Prozess

Überraschende Aussagen im Fall Münchner S-Bahn-ProzessMÜNCHEN (sre) – Was geschah wirklich auf dem S-Bahnhof in München, als Dominik Brunner sich schützend vor Jugendliche stellte und schließlich zu Tode geprügelt wurde? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit das Münchner Landgericht. Dort nämlich findet der Prozess um die beiden Schläger Sebastian L. und Markus S. statt. Sie sind angeklagt wegen Mordes an Dominik Brunner.

Schien die Sachlage zuerst ganz klar, so kommen zwischenzeitlich immer mehr Zweifel auf, ob wirklich die beiden Angeklagten den Streit angefangen haben. I. und S. haben die Schläge zugegeben. Allerdings nicht mit der Absicht, Brunner zu töten.

Am fünften Verhandlungstag nun sagte ein S-Bahn-Zugführer aus, dass nicht die beiden Angeklagten den Streit angefangen haben sollen, sondern Brunner. Er sei „zügig mit zwei Schritten“ auf die beiden zugegangen. Mit der Faust habe er dann einem der beiden ins Gesicht geschlagen. Wörtlich sagte der Zugführer dann weiter: „Die beiden Angeklagten waren äußerst überrascht – wie ich“. Er hatte Brunner für den Angreifer gehalten. Nach dem Schlag ins Gesicht habe Brunner gesagt, dass man das nun mit der Polizei klären wolle. Für den Zugführer war die Angelegenheit damit erledigt. Nachdem er seinen Fahrdienstleiter verständigt hatte, sei er weitergefahren.

Die Aussage des Zugführers deckt sich mit der Aussage des Angeklagten S., einer Augenzeugin, von einem der von Brunner geschützten Schüler und von zwei Polizeibeamten. Es bleibt nun abzuwarten, wie das Urteil ausfallen wird. Mit der Urteilsverkündung wird Ende Juli gerechnet.

von Sandra Reinfeld