Patent auf menschliche Gene?

Anfang Mai klagte die amerikanische Bürgerrechtsunion ACLU gegen das private Unternehmen Myriad Genetics. Es hat eine von ihnen entdeckte mutierte Gensequenz, die Anzeichen auf Brustkrebs gibt, patentiert. Daher stellt sich hier die Frage, ob menschliche Gene so etwas wie „Geistiges Eigentum“ oder ob sie Bestandteil der Natur sind  und daher allen öffentlich zur Verfügung stehen sollten.

Diese Debatte herrscht schon seit einigen Jahren. Die einen argumentieren mit dem „Geistigen Eigentum“ und behaupten, ohne eine Patentmöglichkeiten würden die Unternehmen kein Geld mehr für Forschung ausgeben. Die anderen – darunter der ACLU-Direktor – beziehen sich auf die US-amerikanische Verfassung: „Die Regierung sollte keinem privaten Akteur die Kontrolle über so etwas Persönliches und Grundlegendes wie unsere Gene erlauben […].

Mehr noch, Patente, die das Lernen, die Forschung und den freien Austausch von Informationen einschränken, verletzen den Ersten Verfassungszusatz.“. Das amerikanische Patentamt verteilt in der Regel keine Patente für einzelne Gene. Patente für mutierte Gensequenzen sind jedoch möglich, so wurden letztes Jahr auf etwa 20% aller menschlichen Gene Patente erteilt.

Es fällt auf, dass hier eine ähnliche Problematik besteht, wie bei der Grundlagenforschung: Kein Unternehmen oder Uni in Deutschland würde Grundlagenforschung betreiben, würde diese nicht vom Staat unterstützt werden. Denn dieser Forschungszweig bringt auf kurze Zeit gesehen kaum Einnahmen, auf längere Zeit hingegen kann er sehr rentabel für die ganze Menschheit sein.

Grundlagenforschung lässt sich nicht über den Markt regeln und daher muss hier der Staat eingreifen, bei der Erforschung mutierter Gensequenzen könnte man ähnlich verfahren: Es würde eine öffentliche Wissensdatenbank aufgebaut werden und die forschenden Unternehmen müssten mit staatlichen Zuschüssen oder Premien bei wissenschaftlichen Erfolgen rechnen. Hier bleibt jedoch die Frage nach der Umsetzbarkeit dieses Vorschlags offen.

Robert Cook-Deegan, Genetiker an der Duke University hält Methoden, mit deren Hilfe Fehler in der DNA-Struktur erkannt und Krankheiten somit rechtzeitig vorgebeugt werden können, schlicht für zu unausgereift: „Bei den meisten Markern ist die ursächliche Verbindung zu einer Krankheit schwach.“ Die Ursachen seien viel zu komplex  und hätten sehr viele verschiedene Gene und Umweltfaktoren als Ursache. Nach Cook-Deegan gehe dies Diskussion um ACLU und Myriad am eigentlichen Problem vorbei.

(Mark)

Quelle: Patent auf menschliche Gene?