Polen und die EU trauert um den Tod des polnischen Präsidenten

Polen und die EU trauert um den Tod des polnischen Präsidenten

WARSCHAU – Das Flugzeugunglück, das den Tod des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski sowie weiterer führender politischer und militärischer Köpfe Polens forderte erschüttert die EU.

Von allen Seiten gelangen Beileids- und Trauerbezeugungen nach Polen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle, der zurzeit in Südafrika weilt, brachte seine tiefste Betroffenheit über das furchtbare Unglück zum Ausdruck. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie auch andere hochrangige Politiker aller Länder und Couleur bezeugen dem polnischen Staat ihr Beileid. Der französische Staatspräsident Sankorsy zeigte sich völlig konsterniert über die Tragödie.

Derweil rief der Premierminister des Landes, Donald Turk die Regierung zu einer Sondersitzung zusammen, während sich auβerhalb des Regierungspalastes die Menschen versammeln und Blumen ablegen. Nach polnischem Gesetz wird der Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski die Amtsgeschäfte vorerst weiterführen. Lech Kaczynski war zusammen mit allen weiteren Insassen der Tupolew TU-154 bei einem Landeanflug auf den russischen Flughafen in Smolensk ums Leben gekommen. Nach Aussagen aus dem russischen Staatsfernsehen hat keiner der Passagiere den Absturz überlebt. Die Tupolew war aus Warschau kommend um 10:50 Uhr Ortszeit in eine Baumreihe geprallt. Zum Zeitpunkt des Absturtzes sollen dieWetterverhältnisse nicht klar gewesen sein. Ein Pilotenfehler könnte überdies zum Absturz der Maschine geführt haben. Die Maschine ging direkt nach dem Absturz in Flammen auf und brannte völlig aus.

Mit Lech Kaczynski starben seine Ehefrau und die Elite des polnischen Volkes, so die Aussagen des Ex-Präsidenten Lech Walesa. Wie viele Passagiere und Crewmitglieder insgesammt bei dem Absturz ums Leben kamen, darüber herrscht derzeit noch Unklarheit. Von 95 bis 132 Personen ist die Rede. Anlass der Reise der Delegation war eine Gedenkfeier für die auf Anweisung Stalins ermordeten polnischen Soldaten durch den russischen Geheimdienst KGB im Jahre 1940 in Katyn.

Der konservative und teilweise heftige EU-Kritiker Kaczyinski kam im Jahr 2005 an die Macht in Polen, nachdem er über seinen damaligen liberalen Konkurrenten Tusk in einem zweiten Wahlgang den Sieg davon trug. Besonders mit seinem Zwillingsbruder Jaroslaw führte das Politduo einen harten Kampf gegen ein Polen in der EU. Später jedoch wich Lech Kaczynski etwas von seiner Hardliner-Haltung ab und erlangte so mehr Offenheit im Dialog mit der Europäischen Gemeinschaft.

von Martin Richard Schmitt