Theologe Hans Küng fordert Widerstand gegen den Papst

Der schweizer Theologe Hans Küng, der jahrelang an der Universität von Tübingen lehrte, hat alle Bischöfe offen zu einer Rebellion gegen Papst Benedikt XVI. aufgerufen. Seiner Ansicht nach hat der Papst in allen Belangen versagt, das bezieht sich sowohl auf die Annäherung an die Juden und Protestanten, den Umgang mit den schweren Vorwürfen gegen den sexuellen Missbrauch der katholischen Priester, und nicht zuletzt die verfehlte Anpassung der Katholischen Kirche an die moderne Welt. Küng schreibt in einem offenen Brief u. a. an die Süddeutsche Zeitung und die „Neue Zürcher Zeitung“, “dass die Katholische Kirche in der tiefsten Vertrauenskrise seit der Reformation im 16. Jahrhundert stecke.”

Weiter bemerkt er, dass Papst Benedikt XVI. während seiner Amtszeit eine Reformation eingeleitet habe, die ihn immer weiter von dem Kirchenvolk entfernt hat. Aufgrund der jüngsten vergangenen Ereignisse ist es zu einer wahren Vertrauenskrise zwischen der katholischen Oberschicht und den Gläubigen gekommen.

Für Küng steht auβer Frage, dass  der Papst als ehemaliger Kardinal Joseph Ratzinger Anweisungen erteilt hat alle Anschuldigungen im Hinblick auf die Päderastie in der Katholischen Kirche  geheim zu halten. Kein Mann wisse so viel über die Missbrauchsfälle wie Papst Benedikt.
Der Papst habe jedoch anstatt um Vergebung zu beten diese Möglichkeit an sich vorüber ziehen lassen, im Gegenteil, er bezeichnet sich weiter als unschuldig und unbeteiligt. Küng fordert die Bischöfe auf ihre reservierte Haltung gegenüber dem Vatikan aufzugeben. Trotz dass die Bischöfe gegenüber dem Papst einen Gehorsamseid geschworen haben, sollten sie doch wissen, „dass uneingeschränkter Gehorsam nie einer menschlichen Autorität, sondern Gott allein geschuldet ist“.

Weiterhin fordert Küng eine Wiederherstellung des II. Vatikanischen Konzils, welches der Alleinherrschaft des Papstes ein Ende gesetzt hat. Ein neues Konzil wäre ein Weg neue Reformen und Denkweisen in der Katholischen Kirche zu verankern. Hans Küng ist ein anerkannter Theologe, der am  19. März 1928 in Sursee in der  Schweiz geboren wurde. Er war der erste Theologe seit dem Schisma 1870, der die Unfehlbarkeit des Papstes öffentlich Frage gestellt hat. 1979 wurde ihm daraufhin die Lehrerlaubnis als Professor entzogen. Die Stiftung Weltethos mit Sitz in Tübingen geht auf Küng zurück, deren Präsident er schon seit 1995 ist.

von Martin Richard Schmitt