Torpediertes Kriegsschiff: Südkorea droht mit militärischen Maβnahmen gegen Nordkorea

South Korean Army soldiers watch a live broadcast showing South Korean President Lee's speech at Seoul Railway Station

SÜDKOREA – Die Lage auf der koreanischen Halbinsel droht zu eskalieren. Südkorea hat seinem nordkoreanischen Nachbarn im Falle weiterer Aggressionen mit sofortiger militärischer Vergeltung gedroht. Der Anlass war die Versenkung des südkoreanischen Kriegsschiffes “Cheonan” durch nordkoreanische Einheiten im vergangenen März, bei der 46 Menschen ums Leben kamen.

Der südkoreanische Präsident Lee Myung-Bak zeigte sich in einer Presseansprache am Montag ungehalten über die Verletzungen des eigenen Territoriums. Im Falle einer Wiederholung drohte er auf der Basis der Selbstverteidigung mit Vergeltung. ”Von heute an wird Südkorea keine Provokation mehr ungeahndet hinnehmen”, so der Präsident in seiner Verlautbarung. Lee Myung-Bak weiter: „Seit der Beendigung des Korea-Krieges im Jahre 1953 hat Pjönjang immer wieder den Süden provoziert. In Zukunft werde Südkorea ein solches Verhalten nicht mehr akzeptieren und auf aktive Abschreckung setzen.”
Ferner ist von Seiten der Regierung eine Aufrüstung und Modernisierung des südkoreanischen Militärs geplant.

In Washington stellte sich der amerikanische Präsident Obama derweil hinter Südkorea und ordnete eine engere Zusammenarbeit der amerikanischen Truppen mit den südkoreanischen Einheiten an. Laut dem südkoreanischen Verteidigungsminister Kim Tae-Young werden in Kürze die beiden Verbündeten gemeinsame Marinemanöver in der Grenzregion von Nordkorea durchführen. Auf diese Art soll Stärke und Einheit demonstriert werden und weitere Angriffe von nordkoreanischer Seite vorgebeugt werden.
Am vergangenen Freitag hatte eine internationale Untersuchungskommission festgestellt, dass das südkoreanische Kriegsschiff  “Cheonan” auf Grund eines Torpedos, der von einem nordkoreanischen U-Boot aus abgefeuert wurde, vor der Insel Baengnyeong untergegangen ist.

Die Nordkoreaner lehnen hingegen jede Beteiligung und Verantwortung ab. Laut der wichtigsten nordkoreanischen Tageszeitung „Rodong Sinmun“ sei die Untersuchung des Vorfalls eine „nicht tolerierbare, schwere Provokation“, die gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung ist.

Heute verkündete Nordkorea die psychologische Kriegsführung von Südkorea in Form von Lautsprecherparolen an der beiderseitigen Grenze militärisch beenden zu wollen. Die Maβnahmen der psychologischen Kriegsführung durch die Propaganda-Lautsprecher wurde von Seiten Südkoreas nach einer sechsjährigen Unterbrechung auf Grund der Versenkung der „Cheonan“ wieder aufgenommen. Nordkorea droht damit, die Lautsprecheranlagen zu beschieβen.

US-Auβenministerin Clinton, die gerade auf einem Besuch in Peking weilt, bewertet die Lage in Korea als äuβerst prekär und forderte Nordkorea auf, das provokative Verhalten einzustellen.

von Martin Richard Schmitt