Uruguay im Halbfinale: Ein Wintermärchen in Südamerika

Uruguay im Halbfinale: Ein Wintermärchen in Südamerika Schon im Vorfeld des Spiels gegen den einzigen noch verbliebenen afrikanischen Vertreter Ghana waren die Erwartungen auf einen Sieg hoch. Hatte man sich doch gute Chancen auf das Erreichen des Halbfinales ausgerechnet, und das mit Recht (allerdings auch mit Glück).

Uruguay, das sich ansonsten immer benachteiligt fühlt, kann sich nun nicht mehr über die Schiedsrichterleistungen beschweren. Das Problem waren eigentlich auch nie die Schiedsrichter, sondern das eigene Unvermögen und die mangelnde Selbstbeherrschung, doch ist es immer ein Leichtes die Schuld auf andere abzuschieben.

Sicher ist, Uruguay hat diese Mängel abgestellt. Interne Kämpfe in der Mannschaft fehlen genauso wie die egozentrischen Stars. Stars hat Uruguay, Diego Forlan oder Luis Suarez wären da zu nennen, noch exzentrischer ist „El Loco“ Sebastian Abreu, ein weitgehend in Europa unbeschriebenes Blatt, in Südamerika jedoch überall bekannt.

Die Egozentrik steht jedoch wie bei so vielen anderen, vor allem afrikanischen Mannschaften, nicht im Mittelpunkt, sondern ein harmonisches Mannschaftsgefüge hat sich durchgesetzt, und das ist einzig und allein ausschlaggebend für den Erfolg.

Es müssen nicht gleich 11 Freunde sein, ein engerer Zusammenhalten sollte allerdings vorhanden sein, denn nur so lassen sich die „Big Teams“ mit den groβen Stars schlagen.

Wenn auch Uruguay etwas Losglück benötigte um überhaupt so weit zu kommen, so hat die Mannschaft es dennoch verdient. Immerhin gelang es dem Team im ersten Gruppenspiel ein Unentschieden mit 10 Mann gegen die Franzosen zu halten, damals wusste noch niemand von dem kommenden Desaster der Grande Nation.

Die Stürmer Forlan und Suarez, letzterer wird wohl wegen einer Roten Karte im Halbfinale nicht dabei sein, sind mittlerweile das Maβ der Dinge im Weltfuβball geworden. Forlan war zweimal Torschützenkönig in der Spanischen Liga, Suarez schaffte es in der holländischen Ehrendivision, gerade sein Marktwert dürfte wohl gewaltig explodiert sein.

Die Fans in Uruguay haben ihre Spieler lieben gelernt. Die tiefe Spaltung zwischen den beiden groβen Klubs Peñarol und Nacional, die jeweils dreimal den Weltpokal für Vereinsmannschaften gewannen, ist vergessen. Die Nation ist durch das Nationalteam “Celeste” geeint. Eine nie dagewesene Euphorie erfasst zur Zeit Jung und Alt im Land der Gauchos am Rio de la Plata.

Mit der Wahl des Volkshelden Jose Mujica zum Präsidenten des Landes und den kürzlichen Fussball-Triumphen erlebt Uruguay derzeit einen Höhenflug von dem das Land nach der überstandenen Wirtschaftskrise Anfang 2000 noch jahrelang zehren könnte.

von Martin Richard Schmitt