WM 2010: Kein Happy-End für den Bundesadler

WM 2010: Kein Happy-End für den BundesadlerEs ist die 73. Spielminute, in der die Hoffnungen der deutschen Fans wieder in den Boden gestampft werden. Spaniens Routinier Carles Puyol nimmt der deutschen Elf mit seinem Kopfball den Traum vom WM-Finale, der so nah zu sein schien und letztendlich so unerreichbar wurde. Und ganz egal, was an diesem Abend im Spiel der DFB-Elf falsch oder unzureichend gelaufen war, kurz nach dem Schlusspfiff in Durban überwiegt das allzu bekannte Gefühl aus tiefer Trauer und bitterer Enttäuschung.

Die rote Furie, wie die spanische Mannschaft genannt wird, sie war wieder stärker, wurde zum wiederholten Mal zum unüberbrückbaren Stolperstein, wie im EM-Finale 2008 in Wien, als es ebenfalls eine 0:1 Niederlage für die Deutschen um Kapitän Ballack gab. Spanien hätte 2008 eine bessere Mannschaft als im Moment, ließ Bastian Schweinsteiger wenige Tage vor dem Spiel in der Öffentlichkeit verlauten. Deutschland hingegen hätte die beste Mannschaft seit Jahren, die hohen Siege gegen England und Argentinien hatten die Erwartungen ins unermessliche steigen lassen, die DFB-Elf wurde längst zur Weltklasse erklärt.

Was dann folgte ist allerseits bekannt, Spanien spielt weiter um den Weltpokal, Deutschland einen Tag früher um Platz drei. Scheinbar sind die Spanier auch an ihrem schlechtesten Tag immer noch eine Nummer zu groß für den dreimaligen Weltmeister mit dem Bundesadler auf der Brust. Klar, was die Titel angeht muss die Furia Roja eine Menge aufholen, damit können und wollen die Iberer gleich am Sonntag anfangen.

Überraschend und für viele unerklärlich die Art und Weise des deutsche Auftritts. Ängstlich, mutlos, nervös bis in die Haarspitzen und als die absolut logische Folge viele Ballverluste, ungenaue Zuspiele, kein Spiel nach vorne und fehlender Raumgewinn. Spanien dagegen sehr clever: sofortige Umstellung auf Defensive nach Ballverlust, gekonntes Doppeln und Umzingeln, geschlossenes Drängen auf die Außenlinie – gnadenloses Pressing! Deutschland nahezu chancenlos, gibt dennoch zu keiner Sekunde auf, doch  geradliniges Reagieren war zu wenig gegen diese Ballkünstler.

Es fehlte vor allem an geistiger Stärke, an dieser Sieger-Mentalität um gegen zu halten, eine Grundvoraussetzung für alle Titelträume. In keiner Minute des Spiels zeigten Löws Schützlinge den bedingungslosen, unbeugsamen Willen, alles zu geben und diesen Spaniern Paroli zu bieten.
Weltmeister der Herzen? Nach diesem Spiel ganz sicher nicht.

von Arthur Brühl